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Der Zauberer

Matthias Rauch ist Illusionist, jung an Jahren und dennoch ein Meister seines Fachs. Schon mit 18 wählte man ihn zum Magier des Jahres, eine Auszeichnung, die zuvor Siegfried und Roy trugen.

Essen. "Mach noch mal", sagen die meisten. Und dann: "Ich kapier das einfach nicht." Matthias Rauch ist das gewohnt. Er kennt das ungläubige Staunen. Früher kam es vor allem von seinen Freunden, seit Jahren aber hört er das Raunen aus den Tiefen des Theatersaals. Matthias Rauch ist Zauberer, gerade 26 Jahre alt, ein preisgekrönter Meister seines Faches. Ein Illusionist, ein Reisender der Magierkunst. Bochum, Berlin, irgendwann rief auch Hollywood. Für den Dorstener zählt bei all dem Rummel immer auch eines: "Hauptsache, das Kopfkissen im Hotel ist bequem."

Hier sitzt er nun, nach einer Vorstellung im Variete Theater in Essen. Dunkle kurze Haare, eine schwarze Brille, Anzug. Während er redet, zerhackt er mit seinen großen Händen die Luft. Immer sind diese Hände in Bewegung, wedeln, rudern, rücken zurecht. Wenn man nicht aufpasst, fällt plötzlich eine Spielkarte aus der bloßen Hand. Das ist Rauchs Königsdisziplin, die Manipulation, die Kartentricks. Damit ist er groß geworden. Mit 17 wurde er zum besten deutschen Zauberer gewählt. Er hat es geschafft, aus der Masse der Hobby-Illusionisten hervorzustechen. Ein paar Jahre später kürte ihn die Jury des magischen Zirkels, einer Vereinigung internationaler Zauberer, zum Magier des Jahres. Prominenteste Preisträger sind Siegfried und Roy. "Ist alles eine Frage des Trainings", sagt Matthias Rauch.

Der Dorstener hat früh angefangen: Andere gingen zum Fußball, Matthias ging am liebsten in den Zauberkasten. Dort in der Bochumer Zauberschule lernte er im Alter von sieben Jahren das Einmaleins der Illusion. Zuhause baute er dann im Wohnzimmer vor der Schrankwand seine Kunststücke auf. Ließ Karten verschwinden und Tücher wieder auftauchen. "Simsalabim!" Seine Tante rief dann jedes Mal: "Ich weiß, wie das geht." Nachgemacht hat sie es dann doch nicht. Matthias zauberte für sich bis in die Morgenstunden, "bis der Vater, selbst ein begeisterter Zauberer, wieder aufstand, um zur Arbeit zu gehen."

Das alles erzählt Rauch mal nachdenklich, mal schnell und rückt dabei das Messer parallel zur Tischkante. Die Gabel ebenfalls. Und gibt dabei lächelnd zu, ein Kontrollfreak zu sein. Jemand, der die Dinge gerne am rechten Fleck weiß. Es ist ja die Kontrolle, das Timing, was hinter jedem Zaubertrick steht. Wenn die Passion zum Beruf wird, wenn das Geld mit Zaubertricks verdient wird, dann geht das nicht spurlos an einer Persönlichkeit vorbei. Matthias Rauch lacht. Viel wichtiger aber sei, eine "Rampensau" zu sein. Der Klassenclown sozusagen. Bereit zu sein, das Publikum zu fesseln.

Obwohl es ihm nach der Schule schnell klar war, dass die Magie sein großes Ding werden könnte, wäre er doch fast zur Stadtverwaltung gegangen. "Ich wollte einen Beruf, der geregelte Arbeitszeiten hat, damit ich Zeit zum Zaubern habe", sagt er.

Aber dann klingelte zuhause das Telefon, sein Vater nahm ab und sagte: "Yes, Matthias is here." Am anderen Ende der Leitung war ein Zauberkongress in den USA. Matthias Rauch sollte dort ein paar seiner Kunststücke zeigen. Damals hatte er schon erste Auszeichnungen für seine Fingermanipulationen erhalten. Das spricht sich herum. "In dieser Zeit habe ich dann doch meine Berufspläne geändert." Zauberei statt Verwaltung. Magic Castle in Los Angeles statt Aktenablage im Revier.

Derzeit tourt er vor allem für Varietés durch Deutschland, manchmal hat er zwei Vorstellungen am Tag. Lässt Tische fast bis über die Köpfe des Publikums schweben und zaubert aus dem Nichts wunderschöne Papierhüte auf den Kopf. Er ist nicht gerne weg von zuhause. Über Hollywood spricht er nüchtern, "nach drei Tagen ist alles irgendwie normal." Überhaupt Matthias abseits der Bühne fast scheu, maskenhaft.

Nur wenn es um den TV-Mentalisten Uri Geller geht, dann wird er richtig emotional: "Ein Mistkerl ist das, weil er Dinge für wahr erklärt, die Tricks sind." Das sei fahrlässig gegenüber dem Publikum. Da ist Matthias Rauch anders, er verrät natürlich auch keine Tricks, das würde kein Profi machen. Aber er gibt zu, dass alles Illusion ist. Und vieles funktioniere nach den selben Grundprinzipien. Ob man eine Karte verschwinden lässt oder die Freiheitsstatue. "Vom Prinzip ähnlich." Sein Tisch, übrigens, den er so unerklärlich frei schweben lässt, heißt Sören.

Quelle: Alexandra Trudslev/WAZ